Heute jährt sich der Geburtstag von Hertha Firnberg zum 100.mal. Ich interviewte die große Sozialdemokratin im Jahr 1991 für die Bezirksgeschichtsbroschüre der SPÖ Favoriten und war von dem Treffen sehr beeindruckt. Dabei habe ich eine Dame kennengelernt, die sozialdemokratische Politik und Geschichte aktiv und auch gegen Widerstände gestaltet hat. Trotz ihrer Gebrechlichkeit, strahlten ihre Kraft und ihr Elan samt Eleganz auch beim damaligen Interview phänomenal aus. Hier habe ich Auszüge aus dem damaligen Interview:
21.4.1970 Favoritnerin Hertha Firnberg wird Bundesministerin für Wissenschaft und Forschung: “Als Frauenvorsitzende gehörte ich zum Team für die Regierung. Der Kreisky hat mir zuerst das Unterrichtsministerium offeriert, das habe ich aber abgelehnt, denn nur mit Lehre- und Schülergeschichten wollte ich mich nicht herumschlagen. Der nächste Vorschlag lautete, dass ich ein Wissenschaftsministerium aufbauen solle. Österreich war damals in Fragen von Wissenschaft und Forschung im internationalen Vergleich elendiglich hintennach. Während meiner dreizehn jährigen Amtszeit habe ich sicherlich eine Menge dort gemacht. Unsere Devise war die „Offene Hochschule“. Diese setzten wir ohne jeden Kompromiss um. Jedes Kind, egal aus welchem Elternhaus sollte studieren können. Die Studenten mussten ja nicht dortbleiben, wenn sie bei Prüfungen durchfallen, dann sind sie halt weg, aber jeder muss die Chance überhaupt einmal bekommen.“
Kreiskys Führungsstil: „Bei uns gab es keine Differenzen, er hat mir im Grunde nichts dreingeredet. Er hatte eine große politische und moralische Auffassung und hat sich immer gegen Multifunktionäre in der Partei gesträubt.“
Aus Favorit in Favoriten 1992, SPÖWien



Christine Lapp
schreibt am 2009-09-18 10:24:17