Im Renner-Institut informierten und diskutierten heute Eva Zeglovits (SORA), Jörg Flecker (FORBA) und Jürgen Wutzlhofer. War sehr anregend.
Eva Zeglovits: Wenn vor der Wahl mit Lehrlingen in der Berufsschule eine politische Diskussion durchgeführt wurde (also nicht nur: geht wählen, sondern: worum geht´s eigentlich), dann war die Wahlbeteiligung bei weitem höher als bei Lehrlingen ohne Info, profitieren konnten SPÖ und FPÖ (Infos aus letzter Wiener GR-Wahl). Also: mehr in die Berufsschulen! Bei der NR-Wahl liegen die Parteien bei 16 bis 24jährigen in etwa gleich, aber die rechten FP und BZÖ haben gemeinsam ein Drittel der Stimmen. Unsere Herausforderungen: EU-Wahl 09 (Finanzkrise als Chance), Zuwanderung, politische Sozialisation im Betrieb/in der Schule, Hoffnung geben, Zukunftschancen aufzeigen -- eigene Jugendwahlkämpfe hält sie für eher nicht geeignet, besser wäre es, wenn SP-Themen jugendgerecht aufbereitet werden.
Jörg Flecker: ... hat die reale Arbeits- und Lebenssituation mit dem Wahlverhalten verglichen. Er sieht 2 Problemgruppen: z.B.: SchulabbrecherInnen, die überhaupt nicht wahrgenommen werden oder junge Menschen mit Migrationshintergrund. Das sogenannte "Integrationsproblem" teilt er in 2 Schienen: 1) tatsächliches Problem 2) Problemverschiebung (z.B.: Problem im Job) - Schwierig ist es, Menschen, denen es nicht gut geht, diesbezüglich anzusprechen. Es könnte gelingen, in dem das Problem angesprochen wird, Verständnis dafür gezeigt und konkrete Unterstützung aufgezeigt werden kann. Er ortet bei jungen Menschen "Ohnmachtsgefühle. Sie haben keine Kontrolle über´s eigene Leben und Angst vor sozialer Isolation. Es gibt eine massive Sehnsucht nach Zugehörigkeit, Rechtspopulismus kann hier mit einfachen Botschaften punkten. Er fragt sich, wo die Scharen der linken RebelliererInnen sind?
Jürgen Wutzlhofer: Viele Junge glauben, dass Politik eh nichts bewirkt, daher ist es auch egal, FPÖ zu wählen. Die Sinnhaftigkeit der Politik muss dargestellt werden.
Auf die Frage, was einE guteR PolitikerIn ist, war die gemeinsame Antwort: Er/sie hat den Willen, etwas zu verändern, ist authentisch, hat eine Botschaft, wie die Welt verändert werden muss, ist glaubwürdig, integer, kennt sich aus und wird verstanden :-)
Blog ist heut ein wenig lang, aber vielleicht interessiert´s ja wen ...



Bettina Stadlbauer
schreibt am 2008-12-04 23:52:00
irmgard muhr-kager
am 2009-03-25 23:10:28
Momentan kommt bei den meisten nur an, dass es in erster Linie ums Geld geht. Sie sehen, dass alle Beteiligten also Schüler,Lehrer und Eltern nicht eingebunden sind. Die SPÖ stellt sich geschlossen hinter die Unterrichtsministerin, die auf ihrer Arbeitszeiterhöhung beharrt und sich unbeweglich und phantasielos zeigt. Die Schüler verstehen sehr wohl, dass es viele andere Einsparungsmöglichkeiten gäbe und dass die jetzige Variante auch für sie Nachteile bringt.
Manche fragen sich auch warum sie eine Berufsausbildung machen müssen, wenn eine Unterrichtsministerin keinerlei Ausbildung in diesem Bereich haben muss. (Das ist nicht zynisch gemeint, diese Frage hat mir meine 15jährige Tochter gestellt.)
Junge SPÖ-PolitikerInnen mit denen sich Jugendliche identifizieren könnten, dürfen sich nicht kritisch äußern und müssen gebetsmühlenartig die Phrasen die Frau Ministerin Schmied ständig wiederholt nochmals nachbeten. Welcher Schüler hat das Gefühl, dass hier seine Interessen vertreten werden?
Ich weiß, dass viele Schüler derzeit mails an Politiker aller Parteien verschicken. Sie ärgert besonders, wenn sie gleiche Antwortschreibenbekommen, obwohl sie verschiedene Aspekte behandelt haben. Da fühlt sich niemand ernst genommen.
Die SPÖ-Jugendorganisationen und Schülerorganisation müssten viel besser unterstützt werden. Politische Mitbewerber haben in dem Bereich sehr effiziente Systeme aufgebaut.
H.C. Strache ist für die Jugendlichen einfach zu verstehen, wenige sehr einfache Botschaften, er spricht ihre Ängste und Probleme an und für viele ist er einfach fesch und cool.
Österreich braucht eine wirkliche Integrationpolitik. Die derzeitige Situation macht vielen jungen Menschen Angst und diese Ängste nutzen die Rechtsparteien aus.
Der großteil der LehrerInnen sind Frauen, die sowieso den Hauptanteil der Kindererziehung tragen. Vielen teilbeschäftigten jungen Frauen wird das Gehalt um 10% gekürzt. Warum lassen sich alle SP-Frauen von der Parteispitze mundtot machen. Dass kann euch doch nicht egal sein, wenn ausgerechnet einer Berufgruppe, die hauptsächlich aus Frauen besteht, eine 10%ige Arbeitszeiterhöhung ohne Lohnausgleich verordnet wird.
Geschlossenheit ist ja gut aber wenn eine Ministerin mit 180 km/h an die Wand fährt ,müssen doch nicht alle mitfahren.
Auch wenn ich ziemlich enttäuscht bin, wünsch ich euch alles Gute.
Freundschaft