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LAPP BLOG 2012

Erfahrungen aus dem Leben einer Abgeordneten. Zusätzlich stelle ich Euch interessante Personen und Tätigkeiten in meinem Umfeld vor. Wenn ihr weiterhin dabei sein wollt, würde es mich freuen - Eure Christine Lapp www.christinelapp.at

Behinderte Medizin?

Christine Lapp schreibt am 2008-10-23 17:29:26

Unter dem Titel Behinderte Medizin? befaßte sich heute eine Tagung der Caritas mit dem Thema, wie geistig behinderte Menschen im Gesundheitssystem wahrgenommen werden. Ihre Krankheiten werden nicht erkannt, auf ihre Bedürfnisse wird selten eingegangen und es gibt auch wenige Ärzte und Ärztinnen, die sich mit den Bedürfnissen von behinderten Menschen auskennen und umgehen können. Sylvia Carpenter eine Österreicherin, die nun in Großbritannien als Psychiaterin für mental behinderte Menschen arbeitet, referierte zu diesem Thema. So werden andere Krankheiten bei behinderten Menschen oft als die eigentliche Behinderung angesehen und nicht als eigenständige Krankheit wahrgenommen. Zum Beispiel können Leute mit Down Syndrom, Herzfehler oder Hautausschläge haben. Diese Krankheiten müssen aber ebenfalls behandelt werden und dürfen nicht als Begleiterscheinung von Down Syndrom abgetan und hingenommen werden. Für mich stellte sich die Frage für welches System sollen wir uns stark machen, dass alle ÄrztInnen sich mit geistig behinderten Menschen auskennen oder dass Zentren eingerichtet werden sollen wo auf die Bedürfnisse von geistig behinderten Menschen besser eingegangen werden kann. Denn ein geistig behinderter Mensch versteht vielleicht erst nach längeren Erklärungen, warum Blut abgenommen werden muss und dass das zur Heilung dazu gehört. Die Anliegen sind wichtig, denn es kann der Medizin nur weiterhelfen, wenn besser auf die Bedürfnisse von allen Menschen eingegangen wird und nicht das System Medizin (wie Krankenhaus, Praxis..) das Maß aller Dinge ist und sich die Bedürfnisse der Menschen danach richten müssen.

Link: http://www.mamh.org

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Kommentare

Veronika Bayer am 2008-11-03 15:53:05

Reflexion

Sehr geehrte Frau Abgeordnete!
In Ergänzung zum Thema war heute eine Radiosendung in Ö1.
Ich war eine betroffene Angehörige von einem Menschen mit mehrfacher benachteiligungen aufgrund einer schweren Erkrankung (mein Gatte ist verstorben). Meine Eindrücke in Bezug auf Umgang der ÄrtzInnen und des Pflegepresonals mit diesen Menschen auf allen Ebenen sind generell erdrückend und bin noch immer sehr erschüttert. Ich glaube, es wäre wichtig, diese Seite unter die Luppe zu nehmen: was und wie gehen sie mit diesen Menschen um, was sind Ihre Einstellungen, untersuchen mal ihre Dokumentationen. Die sind eigentlich medizinisch geschultes Personal, aber in Umgang mit den benachteiligten Menschen völlig "kaltblütig", als ob diese Menschen nicht mehr "wert" wären ( vielleicht weil sie nie "gesund" werden können?) Für mich war der größte Schock, dass das medizinische Personal (v. a. die Ärzte) überhaupt nicht sensibilisiert sind und sich nicht um diese PatientInnenkümmern . Wenn Angehörige (engagierte BegleiterInnen) nicht hinter diesen Menschen stehen, dann sind sie in diesem System komplett verloren. Schade, dass bei dieser tagung (wie im Allgemeinen), die Betroffen (Familien, ´Betreuer ), die diese Menschen mit benachteiligungen im "realen" Leben begleiten, bei dieser Tagung nicht angehört wurden oder zu Wort kamen!
Der andere neuralgische Punkt wäre noch der Zugang zu medizinischen Einrichtungne, zu medizinischen Behandlungen - aber das ist ein anderes Kapitel...! Jedoch genauso "spannend".
Ich bin Sozioökonomin, arbeite im Gesundheitsministerium (und bin bestimmt rot angehaucht), aber in erster Linie war ich eine betroffene, pflegende Angehörige, die den Kampf gegen diesen inhumanen Umgang mit einem bedürftigen, jedoch einem besonders wertvollen und besonderen Menschen jahrelang geführt und leider verloren hat.
Es gibt dazu sehr viel zu berichten und noch mehr zu tun. Vor allem, wenn man bedenkt, dass jetzt Millionen von Euros in die Finanzeinrichtungen, in die Wirtschaft gepumpt werden, aber dafür muss man dochj verständnis haben! Und wo bleibt bitte der Mensch?
Mit freundlichen Grüßen,
Veronika Bayer

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