Um einmal ganz persönlich zu starten: Es kotzt mich an, dass ich mir in großer Regelmäßigkeit anhören muss, wie wenig “den Politikern” zu trauen, wie verkommen das System sei und wie daneben daher jemand sein müsse, der diesem Berufsstand angehöre. Ich habe mir nichts vorzuwerfen – im Gegenteil: Eigentlich bin ich ziemlich stolz auf das, was ich so getan hab und tue. Den WählerInnen im Wort sein ist ein schönes Gefühl, das Wort halten ein noch Schöneres… Naja, zurück zur PolitikerInnenbeschimpfung als neuer Volkssport: Persönliches Ungemach kann man schon wegatmen, das Problem ist nur, dass es sich hier nicht nur um die kleine Welt von Jürgen Wutzlhofer handelt, sondern um eine andauernde, dramatische Erosion des Vertrauens in Politik und eines republikanisch-rechtsstaatlichen Verständnisses in unserem Land. Und das wiederum ist eines der wirklich großen Probleme in unserem Land. Wenn keiner mehr Vertrauen in das politische System hat, dann wird diesem auch keine Lösung für gesellschaftliche Herausforderungen zugetraut, und dann wiederum ist eh schon alles wurscht – Rechtsextreme Wählen zum Beispiel wird zur Option oder eine Dog-Eat-Dog-Mentalität.
Verantwortung für diese Entwicklung haben aber nicht die grantelnden WutbürgerInnen. Verantwortung dafür haben schon PolitikerInnen, und zwar jene, die die Republik als Selbstbedienungsladen für ihr eigenes Fortkommen begriffen haben. Wie ungustiös die Grasser-, Strasser- oder HPM-Geschichten auch im Einzelfall sind – besonders irr wird das Ganze, wenn man eine bzw. zwei ganze Regierungsperioden im Nachhinein als groß angelegte Selbstbereicherung zuungunsten der Bevölkerung in die Geschichtsbücher eintragen muss.
Und nichts anderes war schwarz-blau, wie jetzt immer klarer wird. Der Schaden lässt sich nicht nur in (Milliarden!) Euros beziffern, er ist tiefgreifender. Das Vertrauen in die Politik muss nämlich wieder zurück gewonnen werden. Und die schwarz-blauen Schafe zur Verantwortung gezogen.
Besonders gut hat die blau-schwarze Farbenlehre der Korruption Peter Pilz gestern im Parlament geschildert:
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Jürgen Wutzlhofer schreibt am 2011-09-14 11:54:41
