
Der blauweiße Schriftzug ist überall zu sehen. Quilmes ist das am meisten beworbene und vielleicht auch am meisten getrunkene Bier Argentiniens. Santa Cruz de los Quilmes ist heute eine Industriestadt in der Provinz Buenos Aires. Gegründet wurde die Stadt als christliches Gefängnislager für die letzten Überlebenden des Stammes der Quilmes. Die Quilmes lebten in den Anden und hatten ihre Stadt auf 1800 Meter Seehöhe gebaut. Sie hatten ein Befestigungssystem und ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, um ihre Felder zu bewirtschaften. Die Quilmes lieferten den spanischen Eroberern Widerstand im drei Kriegen von 1532 bis 1664. Die Quilmes wurden nur durch Verrat besiegt. Um aber das “Problem” endgültig zu lösen wurden sie in strapaziösen Märschen in die feuchte Ebene von heutigen Quilmes zwangsübersiedelt.
Damit war wieder ein Kapitel des Genozids auf dem soviel der lateinamerikanischen Geschichte beruht abgeschlossen.
Die brutale Ausbeutung der Urbevölkerung geht auch heute weiter. Während unseres Aufenthaltes war wieder ein Baby vom Stamme der Wichi an Unterernährung gestorben. Insgesamt acht Babies sind seit dem Herbst an Hunger gestorben. Unter und Fehlernährung der Kinder der Urbevölkerung ist weit verbreitet.
Auch ökonomisch werden sie ausgebeutet. Seit acht Jahren gibt es massiven Diebstahl an Sozialhilfe, die eigentlich der Urbevölkerung zukommen sollte in der Provinz Formosa. Ein Fernsehteam dokumentierte den Diebstahl und die Haupttäter. Nobelpreisträger Perez Esquvel meinte jedoch resigniert, jeder wüßte davon, aber es fehlt der politische Wille, die Sache abzustellen.
Diese Unterdrückung und Ausbeutung der Urbevölkerung machte, dass ich nicht wirklich die Schönheit des Landes geniessen konnte, weil ich gerade in Campo Quijano von einer immensen Wut erfüllt war, dass in so einem reichen Land soviele intelligente und lustige Kinder keine Chance haben.

Irmtraut Karlsson schreibt am 2011-02-24 21:59:37
