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Don't cry for me Argentina - IRMTRAUT KARLSSONS REISEBLOG


Don’t cry for me Argentina- Irmtraut Karlssons Reiseblog
Im Hotel Savoy
Nach 17 Stunden Flug, Fahrt ins Stadtzentrum. Es ist Sonntag früh und die Stadt ist wie ausgestorben . alles, was kann, flüchtete vor der Hitze ans Meer.
Wie verbrachten die erste Nacht im Traditionshotel Savoy, zum Preis vom Pichlmayrhof in Linz, versteht sich. Hier ist auch Albert Einstein abgestiegen. In den allgemeinen Teilen hat man, soviel wie möglich konserviert. Wir hatten ein Nichtraucherzimmer, das aber auch total behindertengerecht war: keine Schwellen, erhöhtes Klo, dusche zum reinfahren mit rollstuhl. Wo gibt es das in den Luxushotels in Österreich?
Überhaupt ist Argentinien ziemlich behindertengerecht. Das beginnt schon beim Flughafen: Frauen mit Kindern, Schwangere, Behinderte und Diplomaten, in dieser Reihnfolge, haben eine eigene Einreisespur.
 

Öffentlich, seit 2011-01-24 16:30:41 eröffnet von Irmtraut Karlsson

Quilmes

Irmtraut Karlsson schreibt am 2011-02-24 21:59:37


Quilmes


Der blauweiße Schriftzug ist überall zu  sehen. Quilmes ist das am meisten beworbene  und vielleicht  auch am meisten getrunkene Bier Argentiniens. Santa Cruz de los Quilmes ist heute eine Industriestadt in der Provinz Buenos Aires. Gegründet wurde die Stadt als christliches Gefängnislager für die letzten Überlebenden des Stammes der Quilmes. Die Quilmes lebten in den Anden und hatten ihre Stadt auf 1800 Meter Seehöhe gebaut. Sie hatten ein Befestigungssystem und ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem, um ihre Felder zu bewirtschaften. Die Quilmes lieferten den spanischen Eroberern Widerstand im drei Kriegen von 1532 bis 1664. Die Quilmes wurden nur durch Verrat besiegt. Um aber das “Problem” endgültig zu lösen wurden sie in strapaziösen Märschen in die feuchte Ebene von heutigen Quilmes zwangsübersiedelt.


Damit war wieder ein Kapitel des Genozids auf dem soviel der lateinamerikanischen Geschichte beruht  abgeschlossen.


Die brutale Ausbeutung der Urbevölkerung geht auch heute weiter. Während unseres Aufenthaltes war wieder ein Baby vom Stamme der Wichi an Unterernährung gestorben. Insgesamt acht Babies sind seit dem Herbst an Hunger gestorben. Unter und Fehlernährung der Kinder der Urbevölkerung ist weit verbreitet.


Auch ökonomisch werden sie ausgebeutet. Seit acht Jahren gibt es massiven Diebstahl an Sozialhilfe, die eigentlich der Urbevölkerung zukommen sollte in der Provinz Formosa. Ein Fernsehteam dokumentierte den Diebstahl und die Haupttäter. Nobelpreisträger Perez Esquvel meinte jedoch resigniert, jeder wüßte davon, aber es fehlt der politische Wille, die Sache abzustellen.


Diese Unterdrückung und Ausbeutung der Urbevölkerung machte, dass ich nicht wirklich die Schönheit des Landes geniessen konnte, weil ich gerade in Campo Quijano von einer immensen Wut erfüllt war, dass in so einem reichen Land soviele intelligente und lustige Kinder keine Chance haben. 


  


 


 


Argentinien ist weiß?

Irmtraut Karlsson schreibt am 2011-02-21 20:49:05


Argentinien gilt als “weißes” Land schreibt der Marco Polo Reiseführer. Hier in Campo Quijano kann das wohl nicht wahr sein. Aber was hier herrscht ist am ehesten mit “Apartheid” zu beschreiben. Am späten Nachmittag ist auf der Hauptstrasse einiges los. Menschen warten auf den Bus: lange Schlangen von “Schwarzen”, dh. kleine schwarzhaarige Menschen mit großen schwarzen Augen und Stupsnasen, dazwischen aber auch welche, die wie von einer Inkakeramik heruntergeprungen ausschauen. Diese Schlangen sind deshalb “schwarz”, weil “Weiße” nicht mit dem “Colectivo” , wie hier der Bus heißt, fahren. “Schwarze”Kinder spielen im Park, lustig und erstaunlich leise. Dazwischen gehen größere “weiße” Gruppen, laut, schulterklopfend, auch die Kinder kreischen. Grüßen nur einander, die kleinen Schwarzköpfe dazwischen existieren nicht. Wenn ich sie freundlich anlächle, schauen sie erschreckt weg.


Ja, und dann dürfen sie  gewisse “Indigene Arbeiten” verkaufen, wie  die bekannten braunweissen Mützen mit Lamas drauf und Schals und ähnliches. Diese Dinge aber werden in eigenen Fabriken erzeugt, die natürlich “Weißen” gehören. Der Onkel unseres Freundes besitzt so eine.  



Kinder Quijano  


Campo Quijano

Irmtraut Karlsson schreibt am 2011-02-17 23:29:03


Hier fängt die Eisenbahn über die Anden nach Chile ernsthaft zu steigen an. Hier gibt es keine Touristen. Die werden von Salta hergeführt, die Busse bleiben zehn Minuten stehen. Die Touristen machen Fotos von der Eisenbahn und der aufgestellten Dampflokomotive und fahren nach zehn Minuten weiter.


In Campo Quijano gibt es zwei Bauxitwerke. Eines von Rio Tinto, gepflegt, schaut oberflächlich in Ordnung aus. Die Arbeiterhäuschen sind ebenfalls in Ordnung. Die Arbeiter können ihre Häuschen auch im Eigentum kaufen.


Das zweite gehört der Familie Menem. Verwahrlost, die Arbeiter wohnen in Betonklötzen. Wie der Umweltschutz ausschaut, ist nur mit Schauern zu ertahnen.Rundherum alles weiß verstaubt.


Vielleicht kann eine internationale Gewerkschaftsbewegung  doch was erreichen, wenn sie sich um die Arbeiterschaft in den ausgelagerten Betrieben auch kümmert


Campo Quijano


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Flug nach Salta – mit LAN

Irmtraut Karlsson schreibt am 2011-02-16 01:39:06


Nach theoretisch zweieinhalb Stunden Flug kamen wir nach Salta. Theoretisch deshalb, weil wir zunächst ins Flugzeug verladen wurden, alles bummvoll und dann haben sie das Ding erst aufgetankt. Daher keine Kühlung, heiß, heiß ,heiß in der  prallen Sonne eine  Stunde im Flugzeug eingesperrt und die liebe Aufforderung während des Tankens nicht zu rauchen.  Und dann ging es erst recht nicht los, weil der Abflugslot verloren war. Dafür gab es wieder nette Durchsagen, dass leider ihr ansonsten perfekte Service aus Umständen, die nicht in ihrer Macht lagen, nicht funktionierte. Diesen offensichtlich vorfabrizierten Satz hörten wir noch öfters . Am anderen Ende mussten wir dafür in einer bummfest verschlossenen Halle ebenfalls eineinhalb Stunden auf unser Gepäck warten.


So einfach kann man sich Privatisierung machen: zuerst wird die staatliche  Fluglinie niederkonnkurrenziert, dann, wenn ziemlich ein Monopol erreicht wurde, wird das Personal gekürzt und werden alle Fehler auf andere geschoben.


Naja, wir könnten ja auch in Österreich ein Lied über die grandiose Verscherbelung der AUA singen.


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Blogloch

Irmtraut Karlsson schreibt am 2011-02-16 01:37:23


So geht es mit guten Vorsätzen. Von Europa aus schaut alles einfach aus. Und so habe ich mir vorgenommen jeden Tag ein Blog mit foto zu verschicken. Aber kaum aus Buenos Aires weg, began die Sache schwierig zu werden. Kein Internet, oder so langsam und unsicher, dass auch wichtige Mails verschwunden sind, von Fotos senden, gar nicht reden. Ja und dann ist so eine Reise auch anstrengend und nicht immer der Kopf für Texte da.


Dennoch von nun an geht es weiter.


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