Beinahe alle Staatsoberhäupter, UmweltministerInnen, NGOs und Delegierte sind sich einig: Bali muss erfolgreich sein im Entwickeln eines Fahrplanes für die Zeit nach 2012, da es in der Frage der Reduzierung der Treibhausgase keine Alternative gibt. Ein Plan B existiert nicht, ebenso wenig wie ein Ersatz-Planet oder eine Möglichkeit, unabdingbare Notwendigkeiten irgendwann einmal später nachzuholen. Wir befinden uns mitten in der Premiere, eine Generalprobe war nie vorgesehen.
Momentan scheiden sich die Geister in Bali unter anderem an der Frage, wie Technologietransfer zu den Ländern des Südens stattfinden kann. Nimmt man die Herausforderung ernst, Wirtschaftswachstum vom CO2-Ausstoß zu entkoppeln und den Ländern des Südens die Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln ohne unsere fatalen Fehler der Vergangenheit zu wiederholen, kann der Weg nur über einen Transfer von kohlenstoffarmer Technologie führen. Die Frage ist nur: wie? Einfach dafür Geld in einen Fonds einzahlen und die armen Länder sollen daraus selbst ihren technologischen Fortschritt bestreiten, wollen die einen nicht: man wüsste dann ja nicht, was mit „unserem“ Geld wirklich geschehe! Betriebe durch Zwangslizenzen dazu zu bringen, ihr Know-How auch dem Süden zugänglich zu machen, würde ja das ganze Wirtschaftssystem auf den Kopf stellen, warnen die anderen (was für eine tolle Chance, finde ich). Die Patente durch die reichen Länder ankaufen und den armen Ländern grüne Technologien zur Verfügung stellen, sei unmöglich, da schaffe man sich ja seine eigene Konkurrenz, argumentieren die dritten. So what? Kein Weg ist angeblich gehbar – das heißt also entweder 1. den armen Ländern jegliche Entwicklung verweigern oder 2. in Kauf nehmen, dass sie binnen weniger Jahre ebenso zur Klimaerwärmung beitragen werden wie wir im Norden seit der industriellen Revolution und dann eine globale Trendwende für viele Jahrzehnte unmöglich wird. Oder 3. dass nur unter Kontrolle des Nordens moderne Technologie eingesetzt werden kann, also eine neue, subtilere Form des Kolonialismus.
Keiner dieser Wege ist nach humanistischen, entwicklungs- oder umweltpolitischen Gesichtspunkten gehbar. Es gibt wohl nur den Pfad der sauberen Entwicklung hin zu einer globalen „Low Carbon Future“ im Norden genauso wie im Süden. Dieser „balinesische Knoten“ kann nur mit globaler Verantwortung gelöst werden und nicht mit dem kapitalistischen Schwert. Aber wie es jetzt gerade – in Bali ist es Donnerstag Abend – aussieht, bewegt sich doch was in die richtige Richtung…
Eine andere wichtige Diskussion dreht sich um die Post-Bush-Ära. Drei demokratische PräsidentschaftskandidatInnen haben Nachricht nach Bali geschickt und auch bei den Vorwahlen unter den Republikanern spielt die globale Erwärmung eine gewichtige Rolle. Wenn in Kopenhagen 2009 das Post-Kyoto-Regime beschlossen werden soll, hat eine neue US-Administration, auf die wir alle hoffen, noch ein Jahr Zeit, eine innenpolitische Trendwende einzuleiten und die Bush-Politik zu stoppen, die versucht, alle anderen für einen möglichen Kollaps verantwortlich zu machen, nur sich selbst nicht.
In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass es eine klimapolitisch traurige Parallelität zwischen den USA und Österreich gibt: beide stehen wir bei + 18% CO2-Ausstoß, verglichen mit 1990 – nur wir mit einem ganz anders lautenden Ziel und einer internationalen Verpflichtung und die USA ohne Kyoto je unterzeichnet zu haben. Nicht gerade eine Auszeichnung für die österreichische Umweltpolitik der letzten Jahre.

Petra "Penny" Bayr schreibt am 2007-12-13 10:52:04
Das Europäische Parlament hat heute einen runden Tisch zur Frage weltweiter Kohlenstoffmarkt unter Einbeziehung sowohl des Nordens als auch des Südens veranstaltet, an dem ich teilgenommen habe. So wichtig eine Debatte über diese Frage ist, so bedauerlich ist die Schieflage derer, die debattieren - nämlich mit einer indonesischen Ausnahme nur Europäer! So werden wir uns schwer tun, zu einem Dialog auf gleicher Augenhöhe zu kommen und die Bedürfnisse des Südens wirklich ernst zu nehmen!
Gestern haben wir in der Reihe "femmes globales" im ega über die Frage diskutiert, mit welchen Mitteln man die Stigmatisierung von HIV/Aids kranken Menschen am Arbeitsplatz eindämmen kann. Immerhin zwei Drittel der Infizierten sind berufstätig und haben diverse Probleme. Von der internationalen Arbeitsorganisation ILO gibt es dazu nun auch einen in deutscher Sprache erschienenen praktischen Leitfaden, der auch im Internet zu finden ist. Dieser Abend war ein kleiner Beitrag der Wiener SPÖ Frauen, des Renner Instituts und des ega zum kommenden internationalen Tag, den wir am Freitag mit einer großen Veranstaltung auch im Parlament begehen werden.